Die Kutsche wird bei Einkauf im Mennoniten-Supermarkt in direkt neben den Auto 'geparkt'. Es ist tatsächlich so, dass die Amish unter den Nicht-Amish leben. So hatte es auch Richard Page, der Dekan der Deutschabteilung an Penn State und Amish-Spezialist, in seinem Vortrag formuliert: "Die Bauernhöfe, zu denen keinen Elektrokabel führen, dort leben die Amish." Und dort stehen natürlich auch keine Autos auf dem Hof.Man erkennt sie und ihre Fahrzeuge natürlich sofort, kann sich mit ihnen unterhalten und bei ihnen einkaufen, wie zum Beispiel bei einer Familie, die Äpfel und frisch Apfelsaft verkauft.
Auf der Plastikflasche mit Apfelsaft, die ich kaufte, war sinngemäß zu lesen: "Dieses Lebensmittel wurde nicht kontrolliert und kann schwerwiegende gesundheitliche Schäden hervorrufen." Vielleicht hatte der Wurm, der in einem der Äpfel wohnte, die Malaria ...
Bei den Apfelbauern durfte ich Fotos machen, allerdings keinen Personen aufnehmen.
Diese Apfelsortiermaschine erinnerte mich sehr an die Gerätschaften, die bei uns im ländlichen Raum zu sehen sind. Überhaupt fühlte ich mich bei den Amish oft in frühere Zeiten zurückversetzt. Die Kopie der Nähmaschine mit Fußbetrieb, mit der meine Großmutter unserer Kinderkleider nähte, wird heute noch von der Apfelbäuerin benutzt. Neueste Errungenschaft dieser Familie ist ein Anschluss mit fließendem Wasser im Haus. Dieser war nötig, da die Flaschen für den Apfelsaft ausgespült werden müssen. Die Wohnstube ist einfach, aber gemütlich.
Da ich mit Elaine unterwegs war - sie hatte vor vielen Jahren als Au-Pair-Mädchen in Deutschland gelebt und war deshalb sofort bereit, mich herumzuführen - konnte ich mit einigen Amish sprechen. Erste Station war oben erwähnte Familie, danach besuchten wir einen Schreiner, der Möbel nach Kundenbestellungen anfertigt. Sein letzter Großauftrag war der Altar für die jüdische Gemeinde in New York. Ich durfte mich in sein Besucherbuch eintragen - dort kann jetzt jeder nachlesen, dass Interessenten aus dem Schwarzwald seinen Schreinerei besucht haben. Geschäftstüchtig bekam ich dann noch einen Bleistift mit seiner Firmenadresse überreicht - soviel zur Weltfremdheit der Amish ...
Zuletzt besuchten wir noch einen Familie, wo die Frau eine Woche zuvor das achte Kind bekommen hatte. Der Sprössling wurde mir sofort in die Arme gedrückt, ich durfte die Familie sogar fotografieren.
Das Mädchen hatte ihre eigene Art, mit dieser Offenheit umzugehen.
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